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Landwirt, Müller- und Bäckermeister der Region

 

arbeiten Hand in Hand

 

 

Kurze Transportwege schonen die Umwelt

 

Müllermeister Alfred Sterner erklärt die Arbeitsweise  eines Doppelstuhles, in dem das Getreide gemahlen wird

 

„Jede Sekunde laufen 4000 Liter Elsterwasser in die Kaplan- Turbine, die stündlich 60 Kilowatt reinen Öko- Strom für die zehn Mahlgänge der fünf Doppelstühle liefert“, erklärt  Alfred Sterner nicht ohne Stolz dem Landwirt Jörg Dziabel und Bäckermeister Reinhard Schulze. 1955 hatte der Müllermeister die Wassermühle von seinem Vater Reinhard übernommen. „Bereits 1345 gab’s an diesem Standort in Neumühle bei Greiz eine Wassermühle“, ergänzte er während des Rundganges.

Jörg Dziabel gehört zu den Landwirten, die einen Teil ihrer Getreideernte an die Sternermühle verkaufen. Nach der Wende bewirtschaftete er erst im Nebenerwerb, später im Haupterwerb seinen Betrieb als Wiedereinrichter in Greiz- Reinsdorf. „Auf etwa 20 Hektar bauen wir Raps, Weizen, Wintergerste und Roggen an. “Den Roggen, das sind etwa 30 Tonnen jährlich, liefere ich seit vielen Jahren an die Sternermühle, alles andere erhält die Baywa. Ich finde es gut und wichtig, dass wir Landwirte aus der Umgebung unser Getreide in unmittelbarer Nähe vermarkten können. Das hilft nicht zuletzt der Umwelt schon allein aufgrund der kurzen Transportwege“, sagte der Landwirt im angeregten Dreiergespräch. „Das kann ich nur unterstützen, denn das Getreide muss nicht durch ganz Deutschland gefahren werden“, unterstrich Sterner, der vor allem aber auch noch einen anderen Aspekt in der Zusammenarbeit mit regionalen Landwirten sieht. „Man kennt sich und weiß, dass man Qualität geliefert bekommt. Ich besuche während der Erntezeit auch den einen oder anderen Lieferanten, sehe mir die Felder an und sage manchmal, lass deinen Roggen mal noch zwei, drei Tage reifen, bevor du erntest“, berichtet Alfred Sterner.

Denn Qualität steht bei ihm ganz oben an. „Trotz des trockenen Wetters konnte ich in diesem Jahr eine gute Qualität liefern, selbst das Ergebnis von bis zu 85 Doppelzentner pro Hektar hat mich überrascht“, bestätigte Dziabel, der sein Korn in einer 2004 erbauten Halle lagert.  Schließlich spielen letztendlich die Enzymfähigkeit und die Wasseraufnahme beim Backen eine Rolle, weiß der Greizer Bäckermeister Reinhard Schulze, der wie viele seiner Kollegen das Roggenmehl von der Sternermühle geliefert bekommt und unter anderem auf solche Parameter seine traditionelle Sauerteigführung einstellen muss. Roggenmehl und Wasser sowie Anfrisch- Sauerteig sind die Zutaten für seinen hauseigenen Sauerteig. 25 Mitarbeiter, teils auch in Teilzeit, beschäftigt der rührige Bäckermeister, davon allein zehn in der Backstube in der Reichenbacher Straße. 1990 übernahm er den Betrieb von seinem Vater. Während der Sauerteig noch gedeihlich im Kessel wächst, beginnt die erste Schicht bereits 23 Uhr am Vortag mit der Produktion des Kuchenteiges. Gern würde Reinhard Schulze noch einen Bäcker zur Verstärkung seines Teams einstellen und einen Lehrling ausbilden wollen. Die in der Nacht produzierte Ware wird jeden Morgen in die weiteren drei Filialen ausgeliefert. Etwa 130 Tonnen Mehl werden in dieser Bäckerei pro Jahr verarbeitet. Das Weizenmehl erhält die Bäckerei von einer Wünschendorfer Mühle. „Für mich ist wichtig zu wissen, dass ich Qualität geliefert bekomme“, unterstreicht Schulze, der sich wie Jörg Dziabel über den Erfahrungsaustausch in der Sternermühle freut. 

 

 

Das alte Wasserrad der Sterner Mühle

Das altehrwürdige Mühlrad, vor der Rekonstruktion durch Reinhard Sterner mit dem Ortschronisten Schwarz

 

 

Dem Mühlengebäude ging es allerdings nicht immer gut. Schließlich hatte das 2013er Hochwasser der Familie unglaublich große Sorgen und viel Aufräumarbeit beschert. „Eigentümer einer Wassermühle müssen mit Hochwasser rechnen“, erzählt Alfred Sterner, der dennoch seinen Blick immer nach vorn richtet. Das betrifft auch die Investitionen, wie zum Beispiel einen modernen LKW mit einem Mehl- Silo, dessen Inhalt in die Silos der Bäckereien geblasen wird. Künftig soll auch der Annahmetrakt für das Getreide an anderer Stelle neu errichtet werden, die mit den Fahrzeugen mit Hänger besser anzufahren ist.

Zur wirtschaftlich guten Bilanz trägt natürlich auch die Turbine bei, die rund um die Uhr läuft, und wenn die Mühle nicht in Betrieb ist, Strom ins Netz liefert. Sie wurde bereits 1942 gebaut, aber erst 1979 in Betrieb genommen. Senior Sterner, der heute noch kräftig mit zupackt, wenn Not am Mann ist,  übernahm die Mühle 1955. Zu DDR- Zeiten hatte eine solche Variante der Stromerzeugung weniger interessiert. Die Besucher bestaunten das große Mühlrad, das auch von der Straße aus im Mühlgraben gut zu sehen ist. „Zu einer richtigen Mühle gehört auch ein Mühlrad“, ist das Motto des Seniors, der dieses riesige Monstrum gemeinsam mit dem Ortschronisten Edgar Schwarz in unzähligen Stunden wieder hergerichtet hat. Für den Mühlenbetrieb selbst hat es keine Bedeutung mehr.

Im kommenden Jahr dürfte es für alle Mühlen- Fans wieder interessant werden, denn dann wollen die Sterners anlässlich des Mühlentages am Pfingstmontag ihre Tore für die Besucher öffnen. Natürlich sind dann vor allem auch alle Lieferanten und Abnehmer des Mehls aus der Region herzlich eingeladen. Außerdem soll bis dahin ein Mühlenladen eröffnet werden, in dem es sicherlich nicht nur Mehl im Angebot sein wird. Die Familien des Landwirtes Dziabel und des Bäckermeisters Schulze haben jedenfalls schon ihr Kommen zugesagt.  

 

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C. F.