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Greiz war bis zum Jahre 1918 die Residenzstadt des Fürstentums Reuß älterer Linie. Nach den Ereignissen des Novembermonats 1918 schlossen sich die ehemaligen Fürstentümer Reuß ä. L. und j. L. zu einem Freistaat Reuß zusammen, der dann seinerseits am 1. Mai 1920 in dem damals neu gegründeten Staat Thüringen aufging.
Damit hatte eine lange geschichtliche Entwicklung ihren Abschluss gefunden

 

 

Geschichtlicher Rückblick auf die Stadt Greiz in Bildern

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Die geschichtliche Entwicklung der Stadt Greiz

 
Die Landschaft ist wohl in der jüngeren Steinzeit bereits besiedelt gewesen. Seit dem Jahre 300 v. Chr. bewohnten wahrscheinlich Germanen unsere Gegend. Es war der Stamm der Hermunduren, die später mit den Warnen und Angeln zusammen zum Stamm der Thüringer verschmolzen. Auf diese frühgermanische Besiedlung weist auch der Flussname der Elster hin, der im Jahre 1122 als Alestra auftaucht.
Nach der Zerstörung des Thüringer Reiches durch die Franken im Jahre 531 drangen die Slawen vom Osten her bis zur Saale vor. An der Elster siedelten die Sorben (Soraben, Surbi). Die Zeugnisse für die slawischen Niederlassungen finden wir in den zahlreichen Flur- und Ortsnamen, die mit der Endung —itz auf slawischen Ursprung zurückgeführt werden (Pohlitz, Irchwitz, Grochlitz, usw.). So ist auch der Name Greiz zu erklären: Nach den früheren Schreibweisen geht die Form Grouts auf Grots, slawisch hrat, altslawisch gradu = umhegter, befestigter Platz, zurück.
Die Vögte von Weida, Lehensträger der Thüringer Landgrafen, teilten nach dem Tode Heinrichs II. um das Jahr 1209 ihr Erbe, wobei Greiz an Heinrich V. fiel. Um das Jahr 1209 war wohl schon eine deutsche Burg mit Namen Groecz vorhanden. Später tritt der Name als Ortsbezeichnung auf, doch hat die alte sorbische Siedlung gleichfalls schon den gleichen Namen getragen.
Später fiel das Land an einen Heinrich I. von Plauen. Damals entstand eine jüngere Plauener Linie, die sich Reuß von Plauen nannte und ihren Sitz in Greiz hatte, woher sich später die Bezeichnung Reuß-Plauische Landesregierung ableitete. Der Beiname Reuß soll durch die Eheschließung des jüngeren Sohnes des ersten Vogtes von Plauen mit Maria, einer Tochter des dem böhmischen Herrenstande angehörigen Brzetislav Schwiehowsky und einer russischen Fürstin entstanden sein. Ob nun die mütterliche Herkunft der Frau oder ein zeitweiliger Aufenthalt des jungen Vogtes an einem russischen Hof ihm jenen Beinamen (der Russe, Ruthenus) eingetragen hat, muss dahingestellt bleiben.
Die spätere Teilung der Landesherrschaft in Obergreiz und Untergreiz zwang die Untergreizer Linie zum Bau eines „Hauses", des späteren an gleicher Stelle entstandenen Unteren Schlosses. Nach dem Aussterben der Untergreizer Linie im Jahre 1768 vereinigt Graf Heinrich XI die Herrschaft und erwirbt im Jahre 1778 die Fürstenwürde.
Der Name Heinrich XI ist für alle Zeit mit Greiz verbunden, denn er hat das Sommerpalais erbaut und seine persönliche, auf einer Reise an die europäischen Fürstenhöfe erworbene Kultur auch durch die noch erhaltene Bibliothek der Nachwelt vermittelt.
Die Entwicklung der Landesherrschaft und des Ortes und der Stadt Greiz gehören auf das engste zusammen, bis mit dem Jahre 1918 eine neue Zeit einsetzt. Ein Auseinandersetzungsvertrag — das Gesetz vom 30. Dezember 1920 — zwischen dem ehemaligen Fürstenhaus und der damaligen Gebietsregierung Reuß regelt vor allem die kulturellen Interessen und widmet dabei dem Park und der im Sommerpalais untergebrachten Kupferstich- und Büchersammlung bedeutsame Abschnitte, die unsere Schätze vor Schaden bewahren sollen.
Textausgabe Rat der Stadt Greiz 47